Zirkuläres Bauen - Von der Vision zur Praxis

Veröffentlicht am 23.10.2025
Dieses Wissen wurde gestiftet von:
Hochschul-und Wissenschaftsregion Stuttgart e.V.
Wirtschaftsförderung Region Stuttgart
Behnisch Architekten
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.

Im Gespräch mit Dr. Christine Lemaitre berichtet Maria Hirnsperger, Architektin und Partnerin bei Behnisch Architekten, von ihrem Weg zum zirkulären Bauen, einem Ansatz, der weit über die reine Nachhaltigkeit hinausgeht.

Ein persönlicher Blick auf zirkuläres Bauen

Bereits während ihres Studiums an der TU Wien kam Maria Hirnsperger erstmals mit den Prinzipien des ressourcenschonenden Bauens in Berührung. In ihrer Diplomarbeit zur Revitalisierung von Schulgebäuden vertiefte sie das Thema weiter und entwickelte ein Verständnis dafür, wie Bestandserhalt und flexible Strukturen langfristig nachhaltige Architektur ermöglichen können.

Ein entscheidender Schritt in ihrer beruflichen Entwicklung war die Arbeit am Wilhelmsburger Rathausviertel in Hamburg. Dort wurde erstmals ein Forschungsprojekt vollständig dem zirkulären Bauen gewidmet. Dieses Projekt markierte einen Wendepunkt, da es die konsequente Anwendung von Prinzipien wie Materialkreisläufen, Rückbaubarkeit und adaptiven Grundrissen ermöglichte.

Heute setzt sie diese Ideen in aktuellen Projekten fort, etwa beim Rückbau eines Campus-Hochhauses in Halle, wo es darum geht, Materialien sortenrein zu trennen und wiederzuverwenden. Für sie ist klar: Zirkuläres Bauen beginnt nicht erst auf der Baustelle, sondern schon im Entwurf, durch Planung, die Umnutzungen zulässt, Ressourcen schont und den Lebenszyklus eines Gebäudes mitdenkt.

Zirkuläres Bauen ganzheitlich denken

Maria Hirnsperger macht deutlich, dass zirkuläres Bauen weit über das reine Wiederverwenden von Materialien hinausgeht. Es umfasst Bestandserhalt, adaptive Grundrisse, soziale Aspekte, Städtebau, Nutzerkomfort und die Integration aller Planungsdisziplinen von Architektur über Tragwerksplanung bis Haustechnik. Sie beschreibt, wie die frühzeitige Einbindung in den Planungsprozess entscheidend ist, um Materialien effizient wiederzuverwenden, Rückbauprozesse zu steuern und die Lebensdauer von Gebäuden nachhaltig zu verlängern.

Herausforderungen und Lösungen des zirkulären Bauens

Zudem spricht sie über die Hemmnisse in der Praxis, Unsicherheiten bei gebrauchten Materialien, Planungsaufwand, fehlende Dokumentation im Bestand und Zeitdruck in Bauprojekten. Gleichzeitig zeigt sie Lösungsansätze auf, von BIM-Integration über selbst entwickelte Tools bis hin zu kooperativen Prozessen mit Bauherrinnen, Bauherren und Partnern.

Ein zentrales Learning:

Zirkuläres Bauen ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Ziele dürfen ambitioniert sein, doch auch kleine Schritte führen zu spürbarem Fortschritt. Entscheidend sind der Austausch und der Wissenstransfer im Team und innerhalb des Netzwerks, um nachhaltige Lösungen erfolgreich umzusetzen.

Fazit

Dieses Gespräch bietet wertvolle Impulse für Architektinnen, Architekten, Planerinnen, Planer und Bauherrinnen und Bauherren, die zirkuläre Strategien in die Praxis bringen möchten, praxisnah, inspirierend und mit klaren Empfehlungen für Planung, Materialauswahl und Projektmanagement.

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Maria Hirnsperger
Der Schwerpunkt von Maria Hirnsperger liegt auf nachhaltigen und ressourcenschonenden Bauweisen, insbesondere im Holz- und Holzhybridbau sowie in der Entwicklung zirkulärer Planungsstrategien. Ihre Arbeit verbindet präzise Gestaltung mit fundiertem Materialverständnis, geprägt sowohl durch ihre architektonische Ausbildung als auch durch ihre handwerkliche Qualifikation als Tischlerin. Nach ihrem Studium an der TU Wien (Bachelor of Science und Master of Architecture) arbeitete sie bei Scheicher Architekten in Salzburg mit Schwerpunkt an Wettbewerben. 2013 trat sie in das Team von Behnisch Architekten ein und wurde 2022 Partnerin. Sie ist Mitglied im Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) sowie in der Bayerischen Architektenkammer. Zu ihren zentralen Projekten zählen unter anderen das Actionsportzentrum München, das Wohnprojekt Wohnen an der Altmühl in Eichstätt, das Bildungszentrum für die Handwerkskammer in Landshut, der Campus Giesing für die Versicherungskammer Bayern, sowie das zirkuläre Entwicklungsprojekt im Wilhelmsburger Rathausviertel in Hamburg. Mit diesen Projekten setzt Maria Hirnsperger sich für eine zukunftsfähige Baukultur ein und setzt innovative Impulse für die Gestaltung einer klimabewussten und kreislaufgerechten Architektur.

www.behnisch.com
Hochschul-und Wissenschaftsregion Stuttgart e.V.
Der Verein fördert seit 2011 den Austausch zwischen Universitäten und Hochschulen sowie mit politischen und wirtschaftlichen Akteur*innen der Region Stuttgart. Insgesamt 18 Hochschulen/Universitäten, vier Kommunen, der Verband Region Stuttgart, die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH sowie das Studierendenwerk Stuttgart sind aktuell Mitglied. Ziel aller Aktivitäten ist eine verbesserte Wahrnehmung des Hochschul- und Wissenschaftsstandorts Region Stuttgart sowie die gezielte Vernetzung zwischen Akteur*innen, um gemeinsam unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen.

www.region-campus.region-stuttgart.de
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
2007 gegründet, ist die DGNB heute mit mehr als 2.800 Mitgliedsorganisationen das größte Netzwerk seiner Art in Europa und weltweit die Nummer zwei. Übergeordnetes Ziel des Non-Profit-Vereins ist es, die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft aktiv zu gestalten, das Verständnis für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bauweise zu fördern und dieses im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Die DGNB setzt sich ein für nachweislich gute Gebäude, lebenswerte Quartiere und eine zukunftsfähige gebaute Umwelt.

www.dgnb.de
Wirtschaftsförderung Region Stuttgart
Die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS) versteht sich als zentrale Ansprechpartnerin für Unternehmen in der Stadt Stuttgart und den fünf umliegenden Landkreisen. Mit ihrer Arbeit macht die WRS die Qualitäten der Region Stuttgart bekannt und fördert mit zahlreichen Projekten und Angeboten die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes. Die WRS wurde im Jahr 1995 gegründet. Als Tochter des Verband Region Stuttgart und mit weiteren Gesellschaftern ist sie ein öffentlich getragenes Unternehmen.

www.wrs.region-stuttgart.de