Bereits während ihres Studiums an der TU Wien kam Maria Hirnsperger erstmals mit den Prinzipien des ressourcenschonenden Bauens in Berührung. In ihrer Diplomarbeit zur Revitalisierung von Schulgebäuden vertiefte sie das Thema weiter und entwickelte ein Verständnis dafür, wie Bestandserhalt und flexible Strukturen langfristig nachhaltige Architektur ermöglichen können.
Ein entscheidender Schritt in ihrer beruflichen Entwicklung war die Arbeit am Wilhelmsburger Rathausviertel in Hamburg. Dort wurde erstmals ein Forschungsprojekt vollständig dem zirkulären Bauen gewidmet. Dieses Projekt markierte einen Wendepunkt, da es die konsequente Anwendung von Prinzipien wie Materialkreisläufen, Rückbaubarkeit und adaptiven Grundrissen ermöglichte.
Heute setzt sie diese Ideen in aktuellen Projekten fort, etwa beim Rückbau eines Campus-Hochhauses in Halle, wo es darum geht, Materialien sortenrein zu trennen und wiederzuverwenden. Für sie ist klar: Zirkuläres Bauen beginnt nicht erst auf der Baustelle, sondern schon im Entwurf, durch Planung, die Umnutzungen zulässt, Ressourcen schont und den Lebenszyklus eines Gebäudes mitdenkt.
Maria Hirnsperger macht deutlich, dass zirkuläres Bauen weit über das reine Wiederverwenden von Materialien hinausgeht. Es umfasst Bestandserhalt, adaptive Grundrisse, soziale Aspekte, Städtebau, Nutzerkomfort und die Integration aller Planungsdisziplinen von Architektur über Tragwerksplanung bis Haustechnik. Sie beschreibt, wie die frühzeitige Einbindung in den Planungsprozess entscheidend ist, um Materialien effizient wiederzuverwenden, Rückbauprozesse zu steuern und die Lebensdauer von Gebäuden nachhaltig zu verlängern.
Zudem spricht sie über die Hemmnisse in der Praxis, Unsicherheiten bei gebrauchten Materialien, Planungsaufwand, fehlende Dokumentation im Bestand und Zeitdruck in Bauprojekten. Gleichzeitig zeigt sie Lösungsansätze auf, von BIM-Integration über selbst entwickelte Tools bis hin zu kooperativen Prozessen mit Bauherrinnen, Bauherren und Partnern.
Zirkuläres Bauen ist ein kontinuierlicher Lernprozess. Ziele dürfen ambitioniert sein, doch auch kleine Schritte führen zu spürbarem Fortschritt. Entscheidend sind der Austausch und der Wissenstransfer im Team und innerhalb des Netzwerks, um nachhaltige Lösungen erfolgreich umzusetzen.