Grün-Blau – klimagerechte Quartiersentwicklung im Außenraum

Veröffentlicht am 17.02.2026
Dieses Wissen wurde gestiftet von:
EGS-plan Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude- und Solartechnik mbH
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.



Im Gespräch mit Dr. Anna Braune (DGNB) und Dr.-Ing. Boris Mahler (EGS-plan) geht es um das Projekt GRÜN-BLAU – Maßnahmen mit Wirkung: Handlungsempfehlungen für die klimagerechte Quartiersentwicklung im Außenraum.

„Grün“ steht dabei für begrünte Fassaden und Dächer, Bäume, Verschattung und Verdunstungskälte, die die Umgebung wirksam kühlen. „Blau“ beschreibt Photovoltaik und andere erneuerbare Energien, die Strom erzeugen und die Energieeffizienz erhöhen.

Es zeigt, wie durch die intelligente Verbindung von Begrünung und erneuerbaren Energien lebenswerte, energieeffiziente und klimaresiliente Quartiere entstehen können.

Warum Klimagerechte Quartiere?

Der Klimawandel stellt Städte vor große Herausforderungen: Steigende Temperaturen, häufigere Extremwetterereignisse und eine sinkende Aufenthaltsqualität prägen den urbanen Raum. Zukunftsfähige Quartiere müssen daher Klimaschutz und Klimaanpassung zusammen denken.

Das Grün-Blau-Prinzip:

Grün: Begrünte Fassaden, Dächer, Bäume, Verschattung und Verdunstungskälte kühlen die Umgebung

Blau: Photovoltaik und andere erneuerbare Energien liefern Strom und erhöhen die Energieeffizienz

Die intelligente Kombination steigert die Aufenthaltsqualität, schützt das Klima und macht Quartiere lebenswerter.





Tipp

Praxis-Tipp: Setze Grün- und Blau-Elemente gezielt ein – Pflanzen spenden Kühlung, Solartechnik erzeugt Energie. So werden Quartiere gleichzeitig klimafreundlich, energieeffizient und angenehm zum Leben.

Das Projekt GRÜN-BLAU

Im Projekt Maßnahmen mit Wirkung - Handlungsempfehlungen für die klimagerechte Quartiersentwicklung im Außenraum (GRÜN-BLAU) welches gemeinsam mit dem Steinbeis Innovationszentrum SIZ energieplus durchgeführt und vom Strategiedialog BW gefördert wurde, wurde untersucht, wie Klimaschutz und Klimaanpassung in städtischen Quartieren effektiv kombiniert werden können. Dabei ging es darum, praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die sowohl das lokale Klima verbessern als auch technisch und wirtschaftlich umsetzbar sind.

Zentrale Fragen des Projekts waren:



Begrünung für das Mikroklima: Welche Maßnahmen wie Bäume, Dach- oder Fassadenbegrünung führen zu spürbaren Abkühlungen und verbessern die Aufenthaltsqualität?


Sinnvolle Kombinationen mit Photovoltaik: Welche Konstellationen von PV-Anlagen und Begrünung sind technisch machbar und gleichzeitig wirksam für Klima und Energiegewinn?

Ziel des Projekts ist es, Maßnahmen zu identifizieren, die messbare Effekte auf Temperatur, Schattenwirkung und Energieverbrauch haben, sich in die städtebauliche Praxis integrieren lassen und wirtschaftlich tragfähig sind. So sollen Quartiere entstehen, die lebenswert, nachhaltig und klimaresilient sind.

Info

Klimaresilient bedeutet, dass ein z.B. Quartier so gestaltet ist, dass es die Folgen des Klimawandels wie Hitze, Starkregen und Trockenheit gut aushält und trotzdem lebenswert bleibt.

Ergebnisse der Messungen und Analysen

Bäume: Alte Bäume bewahren, neue strategisch pflanzen

  • Große, etablierte Bäume haben die größten messbaren Effekte auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Schatten.
  • Empfehlung: Bestehende Bäume schützen und neue Bäume mit ausreichend Bodenvolumen einplanen.

Fassadenbegrünung: Effektiv schon in niedrigen Stockwerken

  • Messungen zeigen eine Temperaturreduktion von bis zu 8 °C an begrünten Fassaden.

  • Schon die unteren zwei Stockwerke erreichen etwa 80 % der Wirkung.

  • Praktisch: Fassadenbegrünung verbessert Luftqualität, Schattenwirkung und Aufenthaltskomfort.

    Den passenden Wissensbaustein dazu gibt es hier: Grüne Fassaden für ein positives Stadtklima

Gebäudeschatten gezielt nutzen

  • Gebäudeschatten reduziert Temperaturen um 2–4 °C.

  • Aufenthaltsbereiche sollten gezielt verschattet oder durch Pergolen und Rankstrukturen ergänzt werden.

Bodenbeläge und Oberflächen

  • Helle Beläge reflektieren Strahlung, können aber tagsüber Wärme erhöhen.
  • Wasserdurchlässige Beläge speichern Regenwasser, ermöglichen Verdunstung und wirken positiv auf Mikroklima und Starkregenmanagement.

Wasserflächen: Psychologisch stark, physikalisch begrenzt

  • Wasserflächen kühlen direkt über der Fläche, am Rand sind die Effekte geringer.
  • Wasser hat eine wichtige psychologische Wirkung auf das Empfinden von Kühle und Aufenthaltsqualität.

Dächer: Begrünung allein wirkt wenig

  • Extensive Dachbegrünung hat auf das Mikroklima im Aufenthaltsbereich kaum Einfluss.
  • Ursache: Dünne Substrate trocknen schnell aus, Verdunstungseffekte sind minimal.






Photovoltaik und technische Gebäudeausrüstung

  • PV-Anlagen auf Dächern reduzieren CO₂-Emissionen, tragen aber kaum zur Kühlung bei.

  • Kombinationen aus Gründach + PV oder PV-Parkplatzanlagen können Energieertrag und Aufenthaltsqualität verbinden.

    Den passenden Wissensbaustein dazu gibt es hier: Solar-Gründächer optimal anlegen


Tipp

Praxis-Tipp: Zuerst passive Maßnahmen nutzen, die ohne Strom wirken, wie Sonnenschutz oder frische Luft durch Fenster. Ergänzend kann man Technik einsetzen, zum Beispiel Solarpanels, Wärmepumpen oder Klimaanlagen. So spart man Energie und Kosten.

Praktische Empfehlungen für Planende

1. Alte, große Bäume erhalten und schützen und neue strategisch pflanzen


2. Fassadenbegrünung in den unteren Stockwerken bevorzugen


3. Aufenthaltsbereiche gezielt verschatten


4. Wasserdurchlässige und klimaangepasste Bodenbeläge einsetzen

5. PV-Anlagen auf Dächern nutzen


6. Gebäudeschatten in Planungen berücksichtigen


7. Simulationen nutzen, um Maßnahmen faktenbasiert zu kombinieren

Fazit

Klimagerechte Quartiere verbinden Klimaschutz und Klimaanpassung und erhöhen gleichzeitig die Lebensqualität. Das GRÜN-BLAU-Prinzip zeigt: Begrünung kühlt, verschattet und verbessert die Luftqualität, während Photovoltaik Energie erzeugt. Für das Mikroklima sind vor allem Fassadenbegrünung, große Bäume und gezielt verschattete Aufenthaltsbereiche wirksam, Dächer allein haben kaum messbaren Kühlungseffekt. Technische Gebäudeausrüstung ergänzt passive Maßnahmen, sollte aber gezielt eingesetzt werden.

Praktisch heißt das für Planende: bestehende Bäume erhalten, neue strategisch pflanzen, Fassadenbegrünung in unteren Stockwerken umsetzen, Aufenthaltsbereiche verschatten und klimaangepasste, wasserdurchlässige Beläge verwenden. So lassen sich Quartiere schaffen, die nachhaltig, energieeffizient, klimaresilient und angenehm für Bewohner sind.

Dieses Wissen wurde gestiftet von:

Dr. Ing. Boris Mahler
Dr. Boris Mahler ist seit 2001 geschäftsführender Gesellschafter der EGS-plan Ingenieurgesellschaft für Energie-, Gebäude- und Solartechnik mbH. Nach seinem Abschluss als Diplom-Ingenieur für Maschinenwesen an der Universität Stuttgart folgte eine wissenschaftliche Tätigkeit im Bereich Solare Nahwärmesysteme mit saisonalen Wärmespeichern und der abschließenden Promotion an der TU Braunschweig. Als stellvertretender Leiter des Steinbeis Innovationszentrum energieplus ist Dr. Mahler auch heute noch in nationale und europäische Forschungsaktivitäten eingebunden.

Er ist seit vielen Jahren in der Konzeption und Umsetzung von innovativen Energiesystemen für Gebäude und Quartiere tätig. Als Gründungsmitglied der DGNB und einer der ersten Auditoren in Deutschland wirkt Dr. Mahler in vielen Expertengruppen zum nachhaltigen Bauen aktiv mit. Er ist Sachverständiger für Wärme und Schallschutz der Ingenieurkammer und tritt als Referent u.a. für den VDI auf.

www.egs-plan.de
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
2007 gegründet, ist die DGNB heute mit mehr als 2.800 Mitgliedsorganisationen das größte Netzwerk seiner Art in Europa und weltweit die Nummer zwei. Übergeordnetes Ziel des Non-Profit-Vereins ist es, die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft aktiv zu gestalten, das Verständnis für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bauweise zu fördern und dieses im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Die DGNB setzt sich ein für nachweislich gute Gebäude, lebenswerte Quartiere und eine zukunftsfähige gebaute Umwelt.

www.dgnb.de