Im Gespräch mit Dr. Anna Braune (DGNB) und Dr.-Ing. Boris Mahler (EGS-plan) geht es um das Projekt GRÜN-BLAU – Maßnahmen mit Wirkung: Handlungsempfehlungen für die klimagerechte Quartiersentwicklung im Außenraum.
„Grün“ steht dabei für begrünte Fassaden und Dächer, Bäume, Verschattung und Verdunstungskälte, die die Umgebung wirksam kühlen. „Blau“ beschreibt Photovoltaik und andere erneuerbare Energien, die Strom erzeugen und die Energieeffizienz erhöhen.
Es zeigt, wie durch die intelligente Verbindung von Begrünung und erneuerbaren Energien lebenswerte, energieeffiziente und klimaresiliente Quartiere entstehen können.
Der Klimawandel stellt Städte vor große Herausforderungen: Steigende Temperaturen, häufigere Extremwetterereignisse und eine sinkende Aufenthaltsqualität prägen den urbanen Raum. Zukunftsfähige Quartiere müssen daher Klimaschutz und Klimaanpassung zusammen denken.
Grün: Begrünte Fassaden, Dächer, Bäume, Verschattung und Verdunstungskälte kühlen die Umgebung
Blau: Photovoltaik und andere erneuerbare Energien liefern Strom und erhöhen die Energieeffizienz
Die intelligente Kombination steigert die Aufenthaltsqualität, schützt das Klima und macht Quartiere lebenswerter.
Praxis-Tipp: Setze Grün- und Blau-Elemente gezielt ein – Pflanzen spenden Kühlung, Solartechnik erzeugt Energie. So werden Quartiere gleichzeitig klimafreundlich, energieeffizient und angenehm zum Leben.
Im Projekt Maßnahmen mit Wirkung - Handlungsempfehlungen für die klimagerechte Quartiersentwicklung im Außenraum (GRÜN-BLAU) welches gemeinsam mit dem Steinbeis Innovationszentrum SIZ energieplus durchgeführt und vom Strategiedialog BW gefördert wurde, wurde untersucht, wie Klimaschutz und Klimaanpassung in städtischen Quartieren effektiv kombiniert werden können. Dabei ging es darum, praxisnahe Lösungen zu entwickeln, die sowohl das lokale Klima verbessern als auch technisch und wirtschaftlich umsetzbar sind.
Begrünung für das Mikroklima: Welche Maßnahmen wie Bäume, Dach- oder Fassadenbegrünung führen zu spürbaren Abkühlungen und verbessern die Aufenthaltsqualität?
Sinnvolle Kombinationen mit Photovoltaik: Welche Konstellationen von PV-Anlagen und Begrünung sind technisch machbar und gleichzeitig wirksam für Klima und Energiegewinn?
Ziel des Projekts ist es, Maßnahmen zu identifizieren, die messbare Effekte auf Temperatur, Schattenwirkung und Energieverbrauch haben, sich in die städtebauliche Praxis integrieren lassen und wirtschaftlich tragfähig sind. So sollen Quartiere entstehen, die lebenswert, nachhaltig und klimaresilient sind.
Klimaresilient bedeutet, dass ein z.B. Quartier so gestaltet ist, dass es die Folgen des Klimawandels wie Hitze, Starkregen und Trockenheit gut aushält und trotzdem lebenswert bleibt.
Bäume: Alte Bäume bewahren, neue strategisch pflanzen
Fassadenbegrünung: Effektiv schon in niedrigen Stockwerken
Messungen zeigen eine Temperaturreduktion von bis zu 8 °C an begrünten Fassaden.
Schon die unteren zwei Stockwerke erreichen etwa 80 % der Wirkung.
Praktisch: Fassadenbegrünung verbessert Luftqualität, Schattenwirkung und Aufenthaltskomfort.
Den passenden Wissensbaustein dazu gibt es hier: Grüne Fassaden für ein positives Stadtklima
Gebäudeschatten gezielt nutzen
Gebäudeschatten reduziert Temperaturen um 2–4 °C.
Aufenthaltsbereiche sollten gezielt verschattet oder durch Pergolen und Rankstrukturen ergänzt werden.
Bodenbeläge und Oberflächen
Wasserflächen: Psychologisch stark, physikalisch begrenzt
Dächer: Begrünung allein wirkt wenig
Photovoltaik und technische Gebäudeausrüstung
Praxis-Tipp: Zuerst passive Maßnahmen nutzen, die ohne Strom wirken, wie Sonnenschutz oder frische Luft durch Fenster. Ergänzend kann man Technik einsetzen, zum Beispiel Solarpanels, Wärmepumpen oder Klimaanlagen. So spart man Energie und Kosten.
1. Alte, große Bäume erhalten und schützen und neue strategisch pflanzen
2. Fassadenbegrünung in den unteren Stockwerken bevorzugen
3. Aufenthaltsbereiche gezielt verschatten
4. Wasserdurchlässige und klimaangepasste Bodenbeläge einsetzen
5. PV-Anlagen auf Dächern nutzen
6. Gebäudeschatten in Planungen berücksichtigen
7. Simulationen nutzen, um Maßnahmen faktenbasiert zu kombinieren
Klimagerechte Quartiere verbinden Klimaschutz und Klimaanpassung und erhöhen gleichzeitig die Lebensqualität. Das GRÜN-BLAU-Prinzip zeigt: Begrünung kühlt, verschattet und verbessert die Luftqualität, während Photovoltaik Energie erzeugt. Für das Mikroklima sind vor allem Fassadenbegrünung, große Bäume und gezielt verschattete Aufenthaltsbereiche wirksam, Dächer allein haben kaum messbaren Kühlungseffekt. Technische Gebäudeausrüstung ergänzt passive Maßnahmen, sollte aber gezielt eingesetzt werden.
Praktisch heißt das für Planende: bestehende Bäume erhalten, neue strategisch pflanzen, Fassadenbegrünung in unteren Stockwerken umsetzen, Aufenthaltsbereiche verschatten und klimaangepasste, wasserdurchlässige Beläge verwenden. So lassen sich Quartiere schaffen, die nachhaltig, energieeffizient, klimaresilient und angenehm für Bewohner sind.