Vom Bestand zur zirkulären Zukunft

Veröffentlicht am 27.08.2026
Dieses Wissen wurde gestiftet von:
Deutscher Abbruchverband e.V.
Zentralverband Deutsches Baugewerbe
Bundesgemeinschaft Recycling-Baustoffe e.V. (BGRB)
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
Stadtwerke Offenbach

Kreislaufwirtschaft beginnt beim Bauen nicht mit Recycling, sondern mit dem Blick auf das, was bereits vorhanden ist. Muss überhaupt neu gebaut werden? Welche Gebäude, Flächen und Bauteile können weitergenutzt werden?

Katrin Mees beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesen Fragen. Als Architektin hat sie Erfahrungen im Rückbau, im nachhaltigen Bauen und in der Kreislaufwirtschaft gesammelt. Heute arbeitet sie an der Schnittstelle von nachhaltigem Bauen, Normung und Politik.

Erst Bestand prüfen, dann neu bauen

Bei jedem Bauvorhaben sollte zunächst die Ausgangslage betrachtet werden. Gibt es bereits ein Gebäude oder eine geeignete Fläche? Kann ein Bestand umgenutzt oder umgebaut werden? Welche Bauteile lassen sich wiederverwenden? Welche Schadstoffe und Materialströme sind vorhanden?

Auch sogenannte Brownfields – bereits genutzte oder brachliegende Flächen – sollten stärker in die Planung einbezogen werden.

Kreislaufgerechtes Bauen bedeutet damit vor allem: vorhandene Ressourcen erkennen und möglichst lange nutzen.

Kreislaufwirtschaft braucht Zusammenarbeit

Damit Materialien im Kreislauf bleiben, müssen alle Beteiligten frühzeitig zusammenarbeiten: Bauherrschaft, Planung, Unternehmen, Hersteller und Behörden.

Noch stehen dem teilweise gesetzliche und normative Vorgaben entgegen. Die Praxis entwickelt sich häufig schneller als die Gesetzgebung. Innovative Rücknahmesysteme für Baustoffe zeigen beispielsweise, dass technische Lösungen bereits vorhanden sind, rechtliche Rahmenbedingungen aber noch nicht immer dazu passen.

Deshalb braucht es beides: praktische Pilotprojekte und eine Weiterentwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Auch der Bestand ist entscheidend

Besonders wichtig ist der Gebäudebestand. Schätzungen zufolge werden etwa 85 bis 95 Prozent des europäischen Gebäudebestands auch 2050 noch bestehen. Diese Gebäude müssen deshalb einen wesentlichen Beitrag zur Klimaneutralität leisten.

Dabei geht es nicht nur um Recycling, sondern um Weiter- und Umnutzung, Reparatur, Rückbau und die Wiederverwendung von Bauteilen. Gleichzeitig stehen moderne Aufbereitungs-, Sortier- und Trenntechnologien zur Verfügung, die eine stärkere Nutzung von Sekundärmaterial ermöglichen.

Klimaanpassung – Klimaschutz – Kreislaufwirtschaft

Ein Gebäude muss klimaresilient, klimaschonend und kreislaufgerecht geplant werden. Dabei spielt auch die Menge der eingesetzten Materialien eine entscheidende Rolle: So viel wie nötig, so wenig wie möglich – und die verwendeten Materialien möglichst lange im Kreislauf halten.

Kreislaufwirtschaft darf dabei nicht mit Verzicht gleichgesetzt werden. Sie ist auch eine wirtschaftliche Aufgabe. Die entwickelten Lösungen müssen nicht nur ökologisch sinnvoll sein, sondern auch für Unternehmen funktionieren und wirtschaftlich tragfähig sein.

Fazit

Kreislaufwirtschaft beginnt mit einer anderen Frage: Nicht „Was bauen wir neu?“, sondern „Was können wir weiter nutzen?“ Viele Lösungen existieren bereits. Die entscheidende Aufgabe ist, sie zusammenzubringen, wirtschaftlich attraktiv zu machen und die Rahmenbedingungen so weiterzuentwickeln, dass aus einzelnen Pilotprojekten der Normalfall wird.

Dieser Wissensbaustein wurde am 21. Juli 2026 im Circle Cube in Offenbach aufgezeichnet.

Unsere Gäste an diesem Tag waren:

  • Matthias Harms, Geschäftsführer Meinhardt Städtereinigung, Präsident BDE
  • Benedikt Lösch, Head of Digital & Sustainable Construction Saint-Gobain
  • Björn van Deest, Leiter Strategische Unternehmensentwicklung, SÜLZLE Gruppe
  • Katrin Mees, Architektin & Expertin für Kreislaufwirtschaft, ZDB, Leiterin Berliner Büro DA, Geschäftsführerin BGRB

Aufnahme und Schnitt: Lucas Kühn

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Dipl.-Ing. (FH) Katrin Mees
Katrin Mees ist Architektin und Expertin für nachhaltiges Bauen und Kreislaufwirtschaft. Sie ist Leiterin des Berliner Büros des Deutschen Abbruchverbandes (DA), Abteilungsleiterin für Nachhaltiges Bauen, Kreislaufwirtschaft und Umwelt beim Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) sowie Geschäftsführerin der Bundesgütegemeinschaft Recycling-Baustoffe (BGRB).

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt sie sich mit dem gesamten Lebenszyklus von Bauwerken, von der Planung über den Bau und den Rückbau bis hin zur Wiederverwendung und zum Recycling von Baustoffen. Ihre berufliche Laufbahn begann im Strukturwandel des Ruhrgebiets mit der Rückbauplanung, Flächenrevitalisierung und Renaturierung ehemaliger Industrie- und Bergbaustandorte. Anschließend verantwortete sie über viele Jahre die Planung und Realisierung von Bauprojekten mit den Schwerpunkten nachhaltiges Bauen, Ausschreibung, Projektmanagement und Bauüberwachung, bevor sie 2020 in die Verbandsarbeit wechselte.

Heute gestaltet sie die Transformation der Bauwirtschaft an der Schnittstelle von Praxis, Politik und Normung. Ihr Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung praxistauglicher Lösungen für eine ressourcenschonende und zirkuläre Bauwirtschaft. Darüber hinaus gibt sie ihr Fachwissen regelmäßig in Vorträgen sowie als Autorin von Fachbeiträgen und Publikationen weiter. In nationalen und europäischen Fachgremien bringt sie ihre Expertise in die Weiterentwicklung von Regelwerken und politischen Rahmenbedingungen ein und setzt sich für eine zukunftsfähige Bauwirtschaft ein, die ökologische Verantwortung, wirtschaftliche Realitäten und technische Umsetzbarkeit miteinander verbindet.

www.deutscher-abbruchverband.de

www.zdb.de

www.recycling-bau.de
Stadtwerke Offenbach
Die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH) ist ein zu 100 Prozent kommunales Unternehmen der Stadt Offenbach am Main. Als Holding steuert und koordiniert sie 15 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften und übernimmt zentrale Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Mit rund 1.000 Mitarbeitenden zählt die Unternehmensgruppe zu den wichtigsten kommunalen Dienstleistern der Region. Die Geschäftstätigkeit der Stadtwerke Offenbach gliedert sich in die vier Bereiche Mobilität, Stadtservice, Immobilien und Veranstaltungen. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem der öffentliche Personennahverkehr, die Stadtreinigung und Abfallwirtschaft, die Entwicklung und Bewirtschaftung von Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie der Betrieb von Veranstaltungs- und Sportstätten. Als kommunales Unternehmen verfolgt die Stadtwerke Offenbach Holding das Ziel, die Lebensqualität in Offenbach nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Durch Investitionen in Infrastruktur, Stadtentwicklung und moderne Dienstleistungen leistet die Unternehmensgruppe einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Entwicklung der Stadt. Dabei stehen Bürgerorientierung, Wirtschaftlichkeit und nachhaltiges Handeln im Mittelpunkt ihres Handelns.

www.offenbach.de
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
2007 gegründet, ist die DGNB heute mit mehr als 2.800 Mitgliedsorganisationen das größte Netzwerk seiner Art in Europa und weltweit die Nummer zwei. Übergeordnetes Ziel des Non-Profit-Vereins ist es, die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft aktiv zu gestalten, das Verständnis für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bauweise zu fördern und dieses im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Die DGNB setzt sich ein für nachweislich gute Gebäude, lebenswerte Quartiere und eine zukunftsfähige gebaute Umwelt.

www.dgnb.de