Matthias Harms, CEO der Meinhardt-Gruppe und ehrenamtlicher Präsident des BDE – Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. –, betont die wirtschafts- und rohstoffpolitische Bedeutung der Kreislaufwirtschaft. Sie trägt dazu bei, die Versorgung der Industrie zu sichern und den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa zu stärken.
Die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft gewinnt aus Abfällen wertvolle Rohstoffe zurück. Damit kann sie natürliche Ressourcen schonen, Treibhausgasemissionen vermeiden und die Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringern. Für Harms kommt es dabei entscheidend darauf an, dass die zurückgewonnenen Materialien auch tatsächlich wieder in der Produktion eingesetzt werden. Dafür braucht es verlässliche Absatzmärkte und eine entsprechende Nachfrage.
Wie wichtig geeignete Rahmenbedingungen sind, zeigt der Einsatz mineralischer Recyclingbaustoffe. Aufwendige Nachweise und rechtliche Unsicherheiten können ihre Verwendung erschweren. Der BDE setzt sich deshalb gemeinsam mit weiteren Verbänden für eine praxistaugliche Weiterentwicklung der Ersatzbaustoffverordnung ein. Dazu gehören einfachere Dokumentationspflichten und sachgerechte Prüfverfahren. Technische Eignung, Qualitätssicherung sowie Umwelt- und Gewässerschutz bleiben dabei maßgeblich.
Hinzu kommen klare Regeln dafür, wann aufbereitete Materialien nicht länger als Abfall gelten und als Produkte vermarktet werden können. Solche Regeln erleichtern den Zugang zum Markt und geben Herstellern und Anwendern mehr Sicherheit.
Eine wichtige Rolle spielt die öffentliche Hand. Mit ihren Bau- und Infrastrukturaufträgen können Bund, Länder und Kommunen die Nachfrage nach Recyclingmaterialien stärken. Der BDE fordert, geeignete Recyclingprodukte und Recyclingbaustoffe bei öffentlichen Ausschreibungen verbindlich zu berücksichtigen. Das schafft verlässlichere Absatzperspektiven und unterstützt Investitionen in die Kreislaufwirtschaft.
Ein Beispiel für technische Fortschritte ist die im April 2026 eröffnete Batterierecyclinganlage von Saubermacher und Meinhardt in Ginsheim-Gustavsburg. Das Verfahren verbindet Röntgentechnik und künstliche Intelligenz, um unterschiedliche Batteriesysteme präzise zu erkennen und zu sortieren. Diese Trennung bildet die Grundlage dafür, wertvolle Metalle wie Nickel in weiteren Verarbeitungsschritten für den erneuten industriellen Einsatz zurückzugewinnen.
Auch das Konzeptfahrzeug reECONIC veranschaulicht den Einsatz von Recyclingrohstoffen in neuen Produkten. Mercedes-Benz Trucks, FAUN und die TSR Group haben das elektrische Abfallsammelfahrzeug gemeinsam mit weiteren Partnern vorgestellt. Teile des Fahrzeugs bestehen aus recycelten Materialien. Das Projekt zeigt, wie Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten können, um Rohstoffe erneut zu nutzen.
Damit solche Lösungen breiter eingesetzt werden können, fordert der BDE zügige und planbare Genehmigungsverfahren, digitale Verwaltungsprozesse und faire Wettbewerbsbedingungen. Auch eine recyclinggerechte Produktgestaltung und klare Vorgaben für den Einsatz recycelter Materialien können dazu beitragen, Stoffkreisläufe dauerhaft zu schließen.
Für Harms gehört die Kreislaufwirtschaft damit zu den zentralen Aufgaben einer zukunftsfähigen Industriepolitik. Wenn Unternehmen Rohstoffe zurückgewinnen, diese verlässlich vermarkten und erneut einsetzen können, stärkt das zugleich den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit.
Dieser Wissensbaustein wurde am 21. Juli 2026 im Circle Cube in Offenbach aufgezeichnet.
Unsere Gäste an diesem Tag waren:
Aufnahme und Schnitt: Lucas Kühn