Kreislaufwirtschaft als Schlüssel für Rohstoffsicherheit und Wettbewerbsfähigkeit

Veröffentlicht am 27.08.2026
Dieses Wissen wurde gestiftet von:
Meinhardt Städtereinigung GmbH & Co. KG
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
Stadtwerke Offenbach

Matthias Harms, CEO der Meinhardt-Gruppe und ehrenamtlicher Präsident des BDE – Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. –, betont die wirtschafts- und rohstoffpolitische Bedeutung der Kreislaufwirtschaft. Sie trägt dazu bei, die Versorgung der Industrie zu sichern und den Wirtschaftsstandort Deutschland und Europa zu stärken.

Die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft gewinnt aus Abfällen wertvolle Rohstoffe zurück. Damit kann sie natürliche Ressourcen schonen, Treibhausgasemissionen vermeiden und die Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringern. Für Harms kommt es dabei entscheidend darauf an, dass die zurückgewonnenen Materialien auch tatsächlich wieder in der Produktion eingesetzt werden. Dafür braucht es verlässliche Absatzmärkte und eine entsprechende Nachfrage.

Recyclingbaustoffe stärker zum Einsatz bringen

Wie wichtig geeignete Rahmenbedingungen sind, zeigt der Einsatz mineralischer Recyclingbaustoffe. Aufwendige Nachweise und rechtliche Unsicherheiten können ihre Verwendung erschweren. Der BDE setzt sich deshalb gemeinsam mit weiteren Verbänden für eine praxistaugliche Weiterentwicklung der Ersatzbaustoffverordnung ein. Dazu gehören einfachere Dokumentationspflichten und sachgerechte Prüfverfahren. Technische Eignung, Qualitätssicherung sowie Umwelt- und Gewässerschutz bleiben dabei maßgeblich.

Hinzu kommen klare Regeln dafür, wann aufbereitete Materialien nicht länger als Abfall gelten und als Produkte vermarktet werden können. Solche Regeln erleichtern den Zugang zum Markt und geben Herstellern und Anwendern mehr Sicherheit.

Eine wichtige Rolle spielt die öffentliche Hand. Mit ihren Bau- und Infrastrukturaufträgen können Bund, Länder und Kommunen die Nachfrage nach Recyclingmaterialien stärken. Der BDE fordert, geeignete Recyclingprodukte und Recyclingbaustoffe bei öffentlichen Ausschreibungen verbindlich zu berücksichtigen. Das schafft verlässlichere Absatzperspektiven und unterstützt Investitionen in die Kreislaufwirtschaft.

Innovationen zeigen, was möglich ist

Ein Beispiel für technische Fortschritte ist die im April 2026 eröffnete Batterierecyclinganlage von Saubermacher und Meinhardt in Ginsheim-Gustavsburg. Das Verfahren verbindet Röntgentechnik und künstliche Intelligenz, um unterschiedliche Batteriesysteme präzise zu erkennen und zu sortieren. Diese Trennung bildet die Grundlage dafür, wertvolle Metalle wie Nickel in weiteren Verarbeitungsschritten für den erneuten industriellen Einsatz zurückzugewinnen.

Auch das Konzeptfahrzeug reECONIC veranschaulicht den Einsatz von Recyclingrohstoffen in neuen Produkten. Mercedes-Benz Trucks, FAUN und die TSR Group haben das elektrische Abfallsammelfahrzeug gemeinsam mit weiteren Partnern vorgestellt. Teile des Fahrzeugs bestehen aus recycelten Materialien. Das Projekt zeigt, wie Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten können, um Rohstoffe erneut zu nutzen.

Verlässliche Bedingungen für Investitionen schaffen

Damit solche Lösungen breiter eingesetzt werden können, fordert der BDE zügige und planbare Genehmigungsverfahren, digitale Verwaltungsprozesse und faire Wettbewerbsbedingungen. Auch eine recyclinggerechte Produktgestaltung und klare Vorgaben für den Einsatz recycelter Materialien können dazu beitragen, Stoffkreisläufe dauerhaft zu schließen.
Für Harms gehört die Kreislaufwirtschaft damit zu den zentralen Aufgaben einer zukunftsfähigen Industriepolitik. Wenn Unternehmen Rohstoffe zurückgewinnen, diese verlässlich vermarkten und erneut einsetzen können, stärkt das zugleich den Klimaschutz, die Versorgungssicherheit und die Wettbewerbsfähigkeit.

Dieser Wissensbaustein wurde am 21. Juli 2026 im Circle Cube in Offenbach aufgezeichnet.

Unsere Gäste an diesem Tag waren:

  • Björn van Deest, Leiter Strategische Unternehmensentwicklung, SÜLZLE Gruppe
  • Katrin Mees, Architektin & Expertin für Kreislaufwirtschaft, ZDB, Leiterin Berliner Büro DA, Geschäftsführerin BGRB
  • Benedikt Lösch, Head of Digital & Sustainable Construction Saint-Gobain
  • Matthias Harms, Geschäftsführer Meinhardt Städtereinigung, Präsident BDE

Aufnahme und Schnitt: Lucas Kühn

Dieses Wissen wurde gestiftet von:

Matthias Harms
Matthias Harms ist CEO der Meinhardt-Gruppe und ehrenamtlicher Präsident des BDE. Zuvor leitete er Veolia Deutschland und übernahm weitere Führungsaufgaben innerhalb der Veolia-Gruppe. Er verfügt über langjährige Führungserfahrung in der Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft.

www.meinhardt.biz
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
2007 gegründet, ist die DGNB heute mit mehr als 2.800 Mitgliedsorganisationen das größte Netzwerk seiner Art in Europa und weltweit die Nummer zwei. Übergeordnetes Ziel des Non-Profit-Vereins ist es, die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft aktiv zu gestalten, das Verständnis für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bauweise zu fördern und dieses im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Die DGNB setzt sich ein für nachweislich gute Gebäude, lebenswerte Quartiere und eine zukunftsfähige gebaute Umwelt.

www.dgnb.de
Stadtwerke Offenbach
Die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH) ist ein zu 100 Prozent kommunales Unternehmen der Stadt Offenbach am Main. Als Holding steuert und koordiniert sie 15 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften und übernimmt zentrale Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Mit rund 1.000 Mitarbeitenden zählt die Unternehmensgruppe zu den wichtigsten kommunalen Dienstleistern der Region. Die Geschäftstätigkeit der Stadtwerke Offenbach gliedert sich in die vier Bereiche Mobilität, Stadtservice, Immobilien und Veranstaltungen. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem der öffentliche Personennahverkehr, die Stadtreinigung und Abfallwirtschaft, die Entwicklung und Bewirtschaftung von Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie der Betrieb von Veranstaltungs- und Sportstätten. Als kommunales Unternehmen verfolgt die Stadtwerke Offenbach Holding das Ziel, die Lebensqualität in Offenbach nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Durch Investitionen in Infrastruktur, Stadtentwicklung und moderne Dienstleistungen leistet die Unternehmensgruppe einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Entwicklung der Stadt. Dabei stehen Bürgerorientierung, Wirtschaftlichkeit und nachhaltiges Handeln im Mittelpunkt ihres Handelns.

www.offenbach.de