Björn van Deest arbeitet seit 2018 bei der Sülzle Holding GmbH & Co. KG. Heute beschäftigt er sich dort mit strategischer Entwicklung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Das familiengeführte Unternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitenden handelt vor allem mit Stahl, der unter anderem für die Bewehrung von Beton eingesetzt wird.
Ein wichtiger Schritt war ein Projekt mit der Hamburger Hochbahn. Dabei sollte Bewehrungsstahl mit einem festgelegten CO₂-Fußabdruck eingesetzt werden. Dafür musste genau erfasst werden, aus welchen Werken der Stahl stammt und welche Emissionen bei seiner Herstellung entstehen. Was anfangs mit viel Aufwand und Excel-Tabellen verbunden war, wurde später digitalisiert.
Bei Bewehrungsstahl hängt der CO₂-Ausstoß unter anderem vom eingesetzten Strom und vom Anteil an recyceltem Stahlschrott ab. Während der deutsche Industriedurchschnitt laut van Deest bei rund 642 Kilogramm CO₂ pro Tonne Stahl liegt, kommen die besten europäischen Lieferanten auf Werte von knapp unter 200 Kilogramm. Beim Projekt mit der Hamburger Hochbahn lag der Ausgangswert bei etwa 500 Kilogramm pro Tonne. Inzwischen soll die Marke von 400 Kilogramm unterschritten werden.
Bewehrungsstahl: Stahl, der in Beton eingebaut wird, damit dieser stabiler ist und größeren Belastungen standhält.
CO₂-reduzierter Stahl lässt sich nicht immer ohne zusätzlichen Aufwand beschaffen. Die Lieferwege, die Herkunft des Materials und die Abläufe bei Verarbeitung und Transport spielen eine wichtige Rolle. Deshalb lassen sich auch die möglichen Mehrkosten nicht pauschal beziffern. Entscheidend ist für van Deest, nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch die Qualität und den CO₂-Fußabdruck eines Produkts zu berücksichtigen.
Die genaue Dokumentation des verbauten Stahls sieht er als Investition in die Zukunft. Wenn Gebäude in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren zurückgebaut werden, sollte nachvollziehbar sein, welche Materialien darin stecken und welchen Fußabdruck sie haben. Van Deest ist überzeugt, dass diese Transparenz künftig selbstverständlicher wird. Dafür brauche es klare Anforderungen in Ausschreibungen und eine stärkere gemeinsame Auseinandersetzung mit der Qualität des Bauens.
Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Stahlbau beginnt damit, Emissionen messbar zu machen und die Herkunft der eingesetzten Materialien nachvollziehbar zu dokumentieren. Für Sülzle ist das nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch eine Investition in die Zukunft des Bauens. Damit CO₂-reduzierter Stahl stärker zum Einsatz kommt, braucht es klare Anforderungen, einen Blick über den reinen Preis hinaus und eine gemeinsame Auseinandersetzung mit der Qualität des Bauens.
Unsere Gäste an diesem Tag waren:
Aufnahme und Schnitt: Lucas Kühn