CO₂-reduzierter Bewehrungsstahl: Umweltwirkungen und Kosten im Bauwesen

Veröffentlicht am 27.08.2026
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SÜLZLE Gruppe
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
Stadtwerke Offenbach

Björn van Deest arbeitet seit 2018 bei der Sülzle Holding GmbH & Co. KG. Heute beschäftigt er sich dort mit strategischer Entwicklung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Das familiengeführte Unternehmen mit rund 1.000 Mitarbeitenden handelt vor allem mit Stahl, der unter anderem für die Bewehrung von Beton eingesetzt wird.

Den CO₂-Fußabdruck messbar machen

Ein wichtiger Schritt war ein Projekt mit der Hamburger Hochbahn. Dabei sollte Bewehrungsstahl mit einem festgelegten CO₂-Fußabdruck eingesetzt werden. Dafür musste genau erfasst werden, aus welchen Werken der Stahl stammt und welche Emissionen bei seiner Herstellung entstehen. Was anfangs mit viel Aufwand und Excel-Tabellen verbunden war, wurde später digitalisiert.

Bei Bewehrungsstahl hängt der CO₂-Ausstoß unter anderem vom eingesetzten Strom und vom Anteil an recyceltem Stahlschrott ab. Während der deutsche Industriedurchschnitt laut van Deest bei rund 642 Kilogramm CO₂ pro Tonne Stahl liegt, kommen die besten europäischen Lieferanten auf Werte von knapp unter 200 Kilogramm. Beim Projekt mit der Hamburger Hochbahn lag der Ausgangswert bei etwa 500 Kilogramm pro Tonne. Inzwischen soll die Marke von 400 Kilogramm unterschritten werden.


Info

Bewehrungsstahl: Stahl, der in Beton eingebaut wird, damit dieser stabiler ist und größeren Belastungen standhält.

Weniger Emissionen brauchen Planung

CO₂-reduzierter Stahl lässt sich nicht immer ohne zusätzlichen Aufwand beschaffen. Die Lieferwege, die Herkunft des Materials und die Abläufe bei Verarbeitung und Transport spielen eine wichtige Rolle. Deshalb lassen sich auch die möglichen Mehrkosten nicht pauschal beziffern. Entscheidend ist für van Deest, nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch die Qualität und den CO₂-Fußabdruck eines Produkts zu berücksichtigen.

Die genaue Dokumentation des verbauten Stahls sieht er als Investition in die Zukunft. Wenn Gebäude in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren zurückgebaut werden, sollte nachvollziehbar sein, welche Materialien darin stecken und welchen Fußabdruck sie haben. Van Deest ist überzeugt, dass diese Transparenz künftig selbstverständlicher wird. Dafür brauche es klare Anforderungen in Ausschreibungen und eine stärkere gemeinsame Auseinandersetzung mit der Qualität des Bauens.

Fazit

Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit im Stahlbau beginnt damit, Emissionen messbar zu machen und die Herkunft der eingesetzten Materialien nachvollziehbar zu dokumentieren. Für Sülzle ist das nicht nur eine Frage des Klimaschutzes, sondern auch eine Investition in die Zukunft des Bauens. Damit CO₂-reduzierter Stahl stärker zum Einsatz kommt, braucht es klare Anforderungen, einen Blick über den reinen Preis hinaus und eine gemeinsame Auseinandersetzung mit der Qualität des Bauens.

Unsere Gäste an diesem Tag waren:

  • Matthias Harms, Geschäftsführer Meinhardt Städtereinigung, Präsident BDE
  • Benedikt Lösch, Head of Digital & Sustainable Construction Saint-Gobain
  • Katrin Mees, Architektin & Expertin für Kreislaufwirtschaft, ZDB, Leiterin Berliner Büro DA, Geschäftsführerin BGRB
  • Björn van Deest, Leiter Strategische Unternehmensentwicklung, SÜLZLE Gruppe

Aufnahme und Schnitt: Lucas Kühn

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Björn van Deest
Björn van Deest leitet seit Januar 2024 die Strategische Unternehmensentwicklung der SÜLZLE Gruppe in Rosenfeld. Zu seinen Aufgaben zählen die Entwicklung und Umsetzung gruppenweiter Unternehmens- und Wachstumsstrategien sowie die Steuerung von Transformationsprojekten mit den Schwerpunkten Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Organisationsentwicklung. Ein weiterer Fokus liegt auf der Identifikation und Realisierung von Wertsteigerungspotenzialen entlang der Wertschöpfungskette.

Zuvor war er Geschäftsführer und Kaufmännischer Leiter der SÜLZLE KOPF Syngas. Dort verantwortete er unter anderem Finance, Einkauf und Projektmanagement und trieb die Professionalisierung und Weiterentwicklung des Unternehmens voran. Weitere berufliche Stationen führten ihn in den internationalen Anlagenbau bei Eisenmann, wo er als Senior Projektcontroller internationale Projekte kaufmännisch steuerte, sowie ins Controlling bei Karl Rieker. Darüber hinaus gründete und leitete er ein eigenes Unternehmen für IT- und Kommunikationsinstallationen im Wohnungsbau.

www.suelzle-gruppe.de
Stadtwerke Offenbach
Die Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH) ist ein zu 100 Prozent kommunales Unternehmen der Stadt Offenbach am Main. Als Holding steuert und koordiniert sie 15 Tochter- und Beteiligungsgesellschaften und übernimmt zentrale Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge. Mit rund 1.000 Mitarbeitenden zählt die Unternehmensgruppe zu den wichtigsten kommunalen Dienstleistern der Region. Die Geschäftstätigkeit der Stadtwerke Offenbach gliedert sich in die vier Bereiche Mobilität, Stadtservice, Immobilien und Veranstaltungen. Zum Leistungsspektrum gehören unter anderem der öffentliche Personennahverkehr, die Stadtreinigung und Abfallwirtschaft, die Entwicklung und Bewirtschaftung von Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie der Betrieb von Veranstaltungs- und Sportstätten. Als kommunales Unternehmen verfolgt die Stadtwerke Offenbach Holding das Ziel, die Lebensqualität in Offenbach nachhaltig zu sichern und weiterzuentwickeln. Durch Investitionen in Infrastruktur, Stadtentwicklung und moderne Dienstleistungen leistet die Unternehmensgruppe einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Entwicklung der Stadt. Dabei stehen Bürgerorientierung, Wirtschaftlichkeit und nachhaltiges Handeln im Mittelpunkt ihres Handelns.

www.offenbach.de
Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen – DGNB e.V.
2007 gegründet, ist die DGNB heute mit mehr als 2.800 Mitgliedsorganisationen das größte Netzwerk seiner Art in Europa und weltweit die Nummer zwei. Übergeordnetes Ziel des Non-Profit-Vereins ist es, die Transformation der Bau- und Immobilienwirtschaft aktiv zu gestalten, das Verständnis für die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bauweise zu fördern und dieses im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit zu verankern. Die DGNB setzt sich ein für nachweislich gute Gebäude, lebenswerte Quartiere und eine zukunftsfähige gebaute Umwelt.

www.dgnb.de